Teilprojekt 2: Migrationgeschichten / Katholische Religion

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Teilprojektleiter: Volker Rith

Projekt: Hilfe für Flüchtlinge  als christliche Herausforderung  

Jeder weiß, Jesus griff in seinen Gleichnissen Situationen und Probleme seiner Zeit auf. Doch viele wissen nicht, welch eine revolutionäre Kraft in diesen Gleichnissen noch heute liegt. Die Durchsetzung von Egoismen und Interessen gegen die Schwächsten der Gesellschaft bzw. gegen konkrete Menschenrechte wie das Recht auf Asyl stehen in einem fundamentalen Gegensatz zur christlichen Botschaft. Viele europäische Staaten Europas begründen mit dem christlichen Glauben bzw. der angeblich christlichen Nation die Abwehr von Menschen, die aus den Bürgerkriegen in Syrien, Libanon, Jemen und viele anderen  Ländern geflohen sind. Hier sollen  die Regierungen Polens und Ungarns stellvertretend angeführt werden. In Deutschland hat sich eine Partei gegründet, deren Hauptziel die Abwehr von Flüchtlingen und Migranten ist. Rechtspopulismus hat in fast allen europäischen Staaten Hochkonjunktur. Aus diesem Grund wurde das Thema Flucht und Vertreibung mit der christlichen Botschaft am Beispiel von Gleichnissen in einem Projekt der Jahrgangsstufe 7 konfrontiert. 

Die Botschaft der Gleichnisse befestigt gerade nicht die vorgegebene Demarkationslinien der gesellschaftlichen Moral, die „bürgerlichen“ Interessen bzw. die angeblich christlichen Nationalität. Die christliche Botschaft lädt ein, die Zerbrochenheit von Menschen auf der Flucht zu verstehen und Mitgefühl zu zeigen. Die Gleichnisse regten die Schülerinnen und Schüler zum Nachfragen an: Wer ist schuld an dem Massensterben im Mittelmeer? Handelt es sich dabei um unterlassene Hilfeleistung der europäischen Staatengemeinschaft? Konfrontiert mit dem Gleichnis  „Vom barmherzigen Samariter“ stellten sich die Schülerinnen und Schüler die Frage: Sind wir Europäer nicht gleichsam die Personen, die an dem von Räubern ausgeraubte und verletzten Menschen, den Migranten und Flüchtlingen, vorbeigehen und Hilfe unterlassen. Das Gleichnis hilf den Schülerinnen und Schüler sich in die hilflose Lage von Menschen auf der Flucht hinein zu versetzten und einzufühlen. Die Dichtung hilft geradezu die eigenen Perspektive in Frage zu stellen und andere Perspektiven (Flüchtlinge in Not) zu bedenken.

Auch die Situation einer afrikanischen Frau aus dem Sudan, deren Sohn nach Europa geflohen ist und von dem sie seit langer Zeit keine Nachricht erhalten hat, wird in einem Sozialprotokoll dargestellt. Die Schüler lernen eine Situation in einem afrikanischen Staat  kennen und die Gründe, warum Menschen fliehen. „Der verlorene Sohn“ ist ein Gleichnis, das diese Situation aufgreift. Doch gehen die Geschichten der verlorenen Söhne, die auf ihre Flucht nach Europa sterben, häufig nicht gut aus. Das Gleichnis hilft den Schülerinnen und Schüler sich in die Familien einzufühlen, deren Kinder, Verwandte geflohen sind und ihre Familien verlassen haben. Auch diese Perspektive wird in den Medien und den Berichten sehr häufig unterschlagen. Auch der Begriff Arbeitsmigranten, der politisch sehr negativ besetzt ist, sollte von den Schülerinnen und Schüler hinterfragt werden.

Das Gleichnis vom Senfkorn soll Hoffnung machen. Zivilcourage und engagiertes Handeln können die Situation verändern. Die Gleichnisse sind Geschichten der Freiheit. Mitten im Leben gilt es Gott zu entdecken, in der nie so gesehenen Würde einfacher Menschen, Flüchtlingen, gescheiterten Menschen in unserer Gesellschaft. Gerade in dem die Schülerinnen und Schüler am sozialen Tag der IGS Stromberg für die Seenotrettung im Mittelmeer gespendet haben und sich tatkräftig engagiert haben, haben sie einen Beitrag geleistet, dieses Senfkorn der Hoffnung wachsen zu lassen. 

Am Ende der Unterrichtsreihe haben die Schülerinnen und Schüler der Klasse 7a das Thema Weihnachten thematisiert. Auch die Krippe kann als Fluchtunterkunft gedeutet werden. Flüchtlingsunterkünfte und Krippen wurden verglichen und künstlerisch dargestellt.